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Die Amnesty International Gruppe Aurich sagt Nein zur Todersstrafe

04.09.2016

Fest der Kulturen Aurich

Das Fest der Kulturen: mittlerweile eine etablierte Größe in Aurichs breit gefächerten Veranstaltungskalender. Auch dieses Jahr lockte das „bunte interkulturelle Treiben“, so die Migrationsbeauftragte des Deutschen Roten Kreuzes Elke Brönstrup, die Menschen wieder scharenweise auf den Marktplatz. Hier fand das Fest erstmalig statt, denn die unbeständige Wetterlage zwang die Veranstalter zum Umdisponieren. Regen und zeitweise auch Gewitter begleiteten uns den ganzen Tag und adelten den Ortswechsel als weise Voraussicht. Das schlechte Wetter tat der Stimmung aber keinen Abbruch und auch dieses Jahr boten mehr als acht Nationen kulinarische Highlights auf.

Das Fest baut auf die Bereitschaft und Mühe von mehreren hundert Freiwilligen – vor und hinter der Ständen, und auch die Zuhause gebliebenen –, die das Bühnenprogramm mit Musik und traditionellen Tänzen befeuern und landestypische Speisen und Getränke zubereiten und verkaufen. Im Mittelpunkt steht aber nicht die gefüllte Kasse am Ende des Tages, sondern das Kennenlernen, das Gewinnen von neuen Eindrücke und der Abbau möglicher Vorurteile. Denn: „Nach dem großen Zustrom von Geflüchteten in den letzten beiden Jahren finden wir es besonders wichtig, Zugewanderten und Einheimischen eine Möglichkeit zu bieten, sich in freundlicher und festlicher Stimmung zu treffen und kennenzulernen“ – so heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung des Auricher Kulturamts und der Migrations- und Flüchtlingsberatung des Deutschen Roten Kreuzes.

Neben der Auricher Flüchtlingshilfe waren wir auch diese Jahr die einzige gemeinnützige Organisation die mit einem Stand vertreten war. Da das Fest im Zeichen des kulinarischen Austausches steht – „denn beim Essen und Trinken komme man besonders leicht ins Gespräch mit bisher fremden Menschen“ wie die ON im Nachbericht zum Fest schreibt –, haben auch wir uns eine Aktion in Hinsicht auf Essen überlegt. Die Henkersmahlzeit ist gleichzeitig ein symbolträchtiges wie abscheuliches Ritual. Während der deutsche Kriminologe Hans von Henting der Henkersmahlzeit noch einen tieferen Sinn verliehen hat (es gehe um die Aussöhnung des Verurteilten mit der strafenden Gesellschaft die ihm gleich zwar das Leben nehme, ihm aber diesen einen letzten Wunsch gewähre – gleich wie man es mit Opfertieren in der Antike getan hat) ist dieses Ritual heute nur noch ein Relikt alter Tage das in den USA jetzt sogar von den öffentlichen Kassen beschnitten wird. Der letzten Sache die dem Verurteilten bleibt – noch einmal üppig speisen – wird eine Obergrenze in Sachen Kosten auferlegt. Im US-Bundesstaat Florida darf das letzte Mahl nicht mehr als 40 Dollar kosten, in Oklahoma liegt die Grenze bei nur 15 Dollar – Texas hat die ganze Praktik eingestellt. Während in den Vereinigten Staaten noch lange Zeit auf den Internetseiten der jeweiligen Justizverwaltungen die Essenswünsche der Verurteilten veröffentlicht wurden – was unglaublich geschmacklos ist – kann man in anderen Ländern, die noch die Todesstrafe praktizieren, keine so sicheren Aussagen über die Henkersmahlzeit machen. Was man aber sicher sagen kann: Die ganze Praktik der Henkersmahlzeit und, die ganze Praktik der Todesstrafe ist antiquiert – war eigentlich zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte ein probates Strafmaß! Amnesty International spricht sich offen gegen die Todesstrafe aus. We can live without the death penalty! Die Todesstrafe ist keine angemessene Antwort auf Mord und Kriminalität. Wo sich der Staat zum Richter über Leben und Tod aufschwingt, nimmt nicht Gerechtigkeit ihren Lauf, sondern Rache und Vergeltung. Die Botschaft von Amnesty International lautet deshalb unmissverständlich: Staaten können nicht gleichzeitig die Menschenrechte achten und die Todesstrafe verhängen und vollstrecken.